Aktuelle Position
Spuren im Eis
Das Expeditionsteam, Paul Koller und Florian Piper, unterwegs auf dem 600 km langen Weg durch Grönland. Die einzelnen Etappen sind dokumentiert in Texten, Fotos und Satellitenaufnahmen.

Eine Positionsdatei zum Herunterladen kann mit Google Earth geöffnet werden. Google Earth ist eine Anwendung für Windows und OS X, mit der man sich durch 3D Satellitenansichten der Erde bewegen kann. Kostenloser Download. Alternativ kann die Position auch über Google Map über den Internetbrowser begangen werden. Die aktuelle Meldung der Expedition steht an erster Stelle.

Die Einträge werden nach Abschluß der Expedition mit Berichten und Bildern vervollständigt.


Tag 25 _ Unser Drehtag am Gletscher und Rückreise nach Tasiilaq

23. Juni 2006 – 03.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Position Google Earth N65°36.649 W037°37.116 | Position Google Map


Karsten Scheuren und Axel Funck bei Dreharbeiten in N66 W39

Der Sturm hat sich über Nacht gelegt. Es ist zwar immer noch sehr windig (bis 50 kmh), aber der Tag ist perfekt für Filmaufnahmen im Freien. Im Camp N66 W 39 zeigen wir Pro7, wie unser tägliches Campleben von statten ging und berichten über den Verlauf unseres Abenteuers. Der Beitrag zu dieser Expedition wird auf Pro7 / Galileo übertragen. Sobald der Sende-, sowie Vortragstermine stehen, werden diese auf dieser Homepage bekanntgegeben. Tipp: am besten unseren E-Newsletter anfordern, so bleibt man auf dem laufenden. Am Nachmittag (ca. 16.30 Uhr) holt uns der gecharterte Helikopter ab. Wir verabschieden uns von Salomon, der sich sofort daraufhin mit seinem Hundschlitten quer übers Eis in Richtung Isortoq davon macht. Wir erreichen am Abend die Ortschaft Tasiilaq. Hier herrscht der Sommer, es ist warm, Wiesen und Gräser duften. Was für eine Wohltat! Dennoch, nach den Tagen im Eis, fühlt man sich fast ein wenig desorientiert. Zuviele Farben, Geräusche, Menschen, Düfte. Die erste Dusche nach 25 Tagen, ein gutes Abendessen, ein Bier, ein Bett. Die Gedanken kreisen und man denkt an die vergangenen Wochen in der Einsamkeit und Einöde des ewigen Eises. Am Samstag und Sonntag fanden in Tasiilaq noch diverse Drehs statt. Am Montag, den 26.6. , treten beide Teams gemeinsam die Heimreise via Island (dort eine Übernachtung) an. Am Dienstag fliegen wir nach München. Wir freuen uns auf heimatliche Gefilde, das Wiedersehen mit Familie und Freunden. Weitere Informationen zum TV Beitrag und Vortragsterminen sind dieser Homepage zu entnehmen.


Tag 24 _ Wir haben unser Ziel erreicht!

22. Juni 2006 – 03.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 35 km (Luftline)
Position Google Earth N66°00.030 W039°00.050 | Position Google Map


Paul und Florian bei Ankunft in N66 W39

Nach den Tagen ohne Strom für unsere Akkus, Schlechtwetter, White Outs, einem im Sturm verloren gegangenem Kite etc. haben wir uns bis zum verabredeten Treffpunkt mit dem Team von Pro7 / Redaktion Galileo durchgekämpft. Wir wurden mit allen "Wettern" gewaschen und haben am letzten Tag unserer Reise bei guten Schnee-, Sicht-, und Wetterverhältnissen (und das erstaunlicherweise zum ersten mal) eine Distanz von 35 km zum Camp 26 an der Schnittstelle eines Breiten-, und Längengrades (N66 W 39) zurückgelegt. Hier wurden wir von Pro 7 gegen 23.30 Ortszeit erwartet. Das Team mit Redakteur Karsten Scheuren und Kameramann Axel Funck reiste schon Tage zuvor nach Ostgrönland. Sie nahmen die abenteuerliche Reise erst mit dem Helikopter, dann 2 Tagesetappen mit dem Hundeschlitten und Inuit (grönländischer Begleiter namens Salomon) aus Isortoq auf sich, um uns an dieser GPS Koordinate im Niemansland auf dem Inlandeis zu treffen. Wir waren bereits seit ihrer Ankunft in Tasiilaq mit Satellitentelefon in Kontakt und konnten unsere aktuellen Positionen übermitteln. Am 22.6. erreichten sie den Treffpunkt N66 W39 und errichteten dort ein Basecamp, in dem sie auf uns warteten. Wir waren extrem motiviert, diesen Zielpunkt ebenfalls am 22.6. zu erreichen und haben nach einer Pause am späten Nachmittag in einem ausgehobenen Schneeloch im Sturm die letzten Kilometer abgerissen. Als wir das Camp (zwei Zelte, Hundeschlitten und 14 Hunde) im Sturm auf ca. 500 m Entfernung ausmachten war die Freude unbeschreiblich groß. Wir haben unser Ziel erreicht! Beide Teams haben sich in dieser unwirtlichen Gegend tatsächlich getroffen. Jubel und Umarmung über die fast 600 km gegangenen Kilometer!

Tag 23 _ Meldung am Satelittentelefon

21. Juni 2006 – 10.40 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Position Google Earth N66°02.781 W040°12.328 | Position Google Map



Die Wetterbedingungen sind so schlecht, daß wir die Tour schon nachts fortsetzen müssen. Im "Whiteout" tasten wir uns schneeblind vorwärts, bis wir endlich die Ostküste erreichen. Eines unserer Solarpanel hat seine Funktion aufgegeben, die Akkus können nicht mehr aufgeladen werden. Wir können nun nur noch per Satelittentelefon kommunizieren, das wir für den Notfall dabei haben. Doch wenigstens diese kurze Meldung wollen wir rausschicken: morgen werden wir Camp 24 erreichen, wo wir am Inlandeis auf das PRO 7 Fernsehteam treffen. Mit Schlittenhunden begleiten sie uns auf den letzten Etappen. Vorraussichtlich am 23. oder 24. Juni werden wir unser Ziel an der Osküste erreicht haben – die Durchquerung Grönlands ist in Isortoq nach 600 km abgeschlossen.


Tag 22 _ Stromreserven

20. Juni 2006 – 10.40 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 20 km (Luftline)



Wir müssen auf unsere Stromreserven achten. Das wichtigste ist, daß wir für einen Notfall ausreichend Energie haben, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Aufgrund der Stromknappheit sind wir deswegen nicht in der Lage das Tagebuch der Expedition zu aktualisieren.
Wir konzentrieren uns ganz aufs Vorwärtskommen, um auf jeden Fall im Zeitplan zu bleiben. Am Donnerstag (22.6.) wollen wir unser Ziel in TASSIlAQU an der Ostküste erreichen. Dort erwartet uns das Fernsehteam von PRO 7, das die letzten Schritte der Expedition dokumentieren wird. Wir sind gespannt.

Tag 13 _ Spuren ins Nichts

9. Juni 2006 – 23.05 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 23 km (Luftline)
Position Google Earth N66°28.882 W045°46.886 | Position Google Map


Paul, Mark, Lou, Florian (v.l.n.r.)

Fertig gepackt starten wir um 6.00 Uhr von der Station DYE II und steuern auf einen neuen Kurs zu ("Summit"), ca. 103 km von DYE entfernt. Von dort sind es nochmal knapp 200 km zur Ostküste. Das Wetter in der Früh ist mies, Schneegestöber, immer noch Nullsicht, aber der Wind zumindest im Rücken und es nicht zu kalt. Also ziehen wir von dannen, doch nicht bevor wir uns von den netten Gastgebern verabschiedet haben. Gestern haben wir bei den beiden einige Ausrüstungsgegenstände zurückgelassen, die wir nicht mehr benötigen und uns im Schlitten nur belasten. Dafür konnten wir heute gleich viel unbeschwerter losziehen. Kaum Pausen, nur kurze Stops für einen Müsliriegel oder Powerbar und etwas heisses zu trinken erreichen wir unser Camp 13. Das Schneegestöber von tagsüber hat sich zu einem Schneesturm entwickelt, zusammen bauen wir das Zelt auf und kochen. Hoffentlich wird es morgen besser, denn wir wollen in ca. 4 Tagen "Summít" (den höchsten Punkt unserer Reise) erreichen.



Tag 12 _ Spuren ins Nichts

8. Juni 2006 – 23.05 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 17 km (Luftline)
Position Google Earth N66°29.930 W046°16.690 | Position Google Map


Station DYEII

Wir schlafen unruhig, weil wir immer auf den Wind horchen. Dann gegen 2.00 Uhr von Paul die Meldung: "Wind gut, aber leider White Out". Bei Nullsicht kann man natürlich nicht segeln, da wir beide immer Sichtkontakt haben müssen. Wir starten regulär gegen 5.00 Uhr vom Camp 11 in Richtung DYEII, nur noch eine Tagesetappe. Auf dem Weg dorthin versuchen wir, trotz White out, dann allerdings im Tandem zu segeln (eine Seil verbindet und beide und die Pulkas, der Frontmann seget). Der Wind leider zu schwach um das ganze Gewicht zu ziehen. Also werden wir doch wieder wandern. Die Spuren des Vordermanns führen scheinbar ins Nichts, Himmer, Horizont und Wolken gehen ineinander über. In DYE II angekommen, sehen wir die alte verlassene Radarstation. Schon beim Anmarsch beobachten wir amerikanischer Herkules Flieger bei Start und Landemanövern auf der Eispiste. Also, vermuten wir, müsste doch auch Bodenpersonal zugegen sein. Tatsächlich werden wir in der Nähe der Station von einem Skidoo abgeholt, auf dem Lou sitzt. Sie heisst uns willkommen und erklärt uns, dass sie und Ihr Mann (Mark) 5 Monate hier allein leben, um die Operationen am Boden zu steuern. Wir werden sehr freundlich empfangen, eingeladen in einem schon aufgebauten Materialzelt (mit Ofen) zu schlafen. Das Angebot nehmen wir gerne an. Bei Kaffee, Keksen und später sogar Steak vom Grill und Bier (!) plaudern wir sehr nett mit den beiden.




Tag 11 _ Tierspuren im Eis

7. Juni 2006 – 23.05 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Position Google Earth N66°34.227 W046°37.210 | Position Google Map



Wieder eine kalte Nacht, doch frieren muss man in den Marmot Daunenschlafsäcken nie. Eine gefüllte Metalltrinkflasche (Sigg) dient als Wärmeflasche. Es geht früh raus, der Morgen klar und kalt (ca -20°C). Bevor wir starten entdecken wir ein Objekt in der Ferne. Ich rufe zu Paul: "schau da kommt jemand". Doch es war nur eine optische Täuschung, eine sensationelle Spiegelung der 30 km entfernten Station DYE auf der kalten Bodenluft. Und alles schaut so greifbar nah aus. Der Wetterbericht (erhalten wir aus Tasillaq / Ostküste) kündigt sonnige Tage und Wind (!) aus NW / W an . Das wäre ideal für unseren ersten Segelversuch. Doch die Brise aus West ist noch zu schwach und müssen daher wieder wandern. Wir kommen bis auf Sichtweite der Station, die noch ca. 17 km entfernt ist. Am Nachmittag nimmt der Wind ein wenig zu (12kmh) , reicht aus für ein paar Trockenversuche mit den Kites (Segel), doch zum Pulkaziehen ist das ganze noch zu schwach, leider. Gestern haben wir auf dem Eis einen Vogel gesehen, heute die Spuren eines Polarfuchses. Und das 200 km von der Küste entfernt! Im Camp 11 machen wir unser Abendessen und bereiten die Trinkflaschen für den nächsten Tag vor. In der Früh muss alles schnell gehen, wir wollen nicht zuviel Zeit verlieren. Wir warten auch noch auf den erhofften stärkeren Wind aus West. Eventuell starten wir noch heute Nacht.


Tag 10 _ Eine kalte Nacht, ein kalter Tag

6. Juni 2006 – 22.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 19 km (Luftline)
Position Google Earth N66°39.530 W046°55.029 | Position Google Map



Die Nacht war zwar recht windstill, doch extrem kalt. Alles flüssige was im Zelt war bockhart gefroren, selbst das Abspülmittel und die Getränke in den Trinkflaschen. Draussen hat der Wind an Intensität zugenommen. Mit ca. -20 °C Aussentemperatur + Wind ergeben sich ca. -30°C gefühlte Temperatur. Unser wohl kältester Tag. Wir schützen uns gegen den Wind mit Gesichtsmasken und treten unseren Marsch an. Immer in Bewegung bleiben, das ist die Devise. Um 15.00 Uhr errichten wir Camp 10.


Tag 9 _ Ein Sonnentag

5. Juni 2006 – 22.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 21 km (Luftline)
Position Google Earth N66°44.750 W047°16.357 | Position Google Map



Die Nacht war zum ersten mal sehr ruhig, kein Wind der an der Zeltplane rüttelt. Um 3.00 Uhr wieder das gleiche Spiel: Aufstehen, Wasser kochen für die Thermosflaschen und die "Camel Bags" (kleine Wassertanks mit Trinkschlauch, die auf dem Rücken wie ein Rucksack befestigt werden), Packen, Zeltabbau und los. Es ist ein sonniger Tag, so dass auch mal die Gore Tex Jacken beim Gehen ausgezogen werden können. In den Pausen allerdings muss man sich immer warm anziehen und eine Daunenjacke überstreifen. Am Nachmittag können wir nur unter großem Krafteinsatz die Pulkas über den aufgeweichten Bruchharsch ziehen. Gegen 15.00 Uhr errichten wir Camp 9.


Tag 8 _ Immer bergauf

4. Juni 2006 – 23.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 21 km (Luftline)
Position Google Earth N66°50.380 W047°39.692 | Position Google Map



Das Wetter scheint heute auf den ersten Blick nichts gutes zu verheissen. Nullsicht - White out! Das bedeutet, dass man praktisch durch tiefhängende Wolken geht und keinen Unterschied zwischen Himmel und Erde sieht. Das stört uns allerdings nicht, denn die Orientierung findet verlässlich über GPS (Global Positioning System) über Satellit und Marschzahl am Kompass statt. Dazu braucht man keine Fixpunkte im Gelände, man kann blind navigieren. Wir haben eine spezielle Konstruktion am Zuggestänge gebaut, an dem die Navigationstechnik frontal befestigt ist, welches dem Navigierenden die Orientierung leichter macht. Die Sonne schafft es manchmal durch die Wolkendecke und zeigt sich mit einem sensationellen Halo (Lichtbrechung um die Sonne, die einen Ring erzeugt). Die Hauptsache ist, dass der Wind im Verlaufe des Tages Wind nachlässt. Damit ist es auch nicht so kalt wie an den Vortagen, eine Erholung. Wir legen unterwegs kürze Pausen ein und steuern zielstrebig unserem Etappenziel "DYE II" zu. Es geht immer bergauf, und das bis zu der höchsten Erhebung auf knapp 3000m. Dieser Punkt liegt noch knapp 270 km von uns entfernt. Unser Camp 8 inmitten der unendlich weit erscheinenden Eislandschaft bietet Möglichkeit nasse Bekleidung zu trocknen.


Tag 7 _ Spuren im Eis

3. Juni 2006 – 22.00 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 22 km (Luftline)
Position Google Earth N66°56.015 W048°03.452 | Position Google Map



Auch heute ist es wieder sehr windig. Die Aussentemperatur liegt bei geschätzen -10°C, aber durch den starken Wind ergibt das einen Auskühlungsfaktor (gefühlte Temperatur) von -20 bis -25°C. Da muss man besonders das Gesicht, also die exponierten Stellen, schützen. Wir haben eine spezielle Fettcreme mit Sonnenschutzfaktor dabei, die blockt den Wind / Kälte sehr gut ab und die Haut wird nicht so schnell rissig. Gerade die Lippen, die ständig feucht sind, gehen mit der Zeit auf. Wir starten um 5.15 Uhr. Die Pausen fallen heute ein wenig kürzer aus als sonst, denn unser Ziel ist es, 20km + zu erreichen. Die Sonne zeigt sich heute zum Glück den ganzen Tag, nur später beim Aufbau unseres Camps, beginnt es zu schneien. Auf unserer fast 10 stündigen Skitour (das übrigens jeden Tag) sehen wir manchmal die Spuren einer vor uns gehenden norwegischen Durchquerer Gruppe. Sie sind ca. 9 Tage vor uns im Westen gestartet und haben einen Vorsprung, der nicht einzuholen ist. Wir dürften vor Sommereinbruch wohl das letzte Team gewesen sein. In nur 2-3 Wochen sind die Schmelzwasserflüsse im Westen nicht mehr zu queren. Am Abend gibts bei uns "Gröstl" mit Kartoffeln, die wir am Vortag schon zubereitet haben. Paul und ich können uns nach fast einer Woche Zeltleben noch gut "riechen", eine Dusche (wo denn auch?) hats noch nicht gegeben. Schneewäsche ist unsere Methode.


Tag 6 _ Ein windig kalter Tag

2. Juni 2006 – 22.00 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 20 km (Luftline)
Position Google Earth N67°01.918 W048°28.910 | Position Google Map



Der Wind geht ständig, doch über Nacht wurde er immer stärker. Wir packen unsere Sachen. Ich versuch noch die Tagesmeldung vom 1.6. zu verschicken, aber erfolglos. Die Akkus vom Teelfon sind kalt und arbeiten nicht. Auf den Ski und die Pulka hinterher peilen wir unser Ziel DYE II an. Es ist bitter kalt, der Wind erreicht eine GEschwindigkeit von 50kmh und weht uns frontal entgegen. Wir sprechen nicht viel, nur das allernötigste wird ausgetauscht. Nach 2 Std Gehzeit kurze Pause, dnn sofort weiter dass man nicht auskühlt. In solchen Pausen trinkt man etwas heisses aus der Thermosflasche und isst ein Power Bar (=Energieriegel) oder Müsliriegel. GEgen 10.00 Uhr dann eine Mittagspause, in der wir beide hinter den Pulkas vor dem Wind Schutz suchend, kurz einschlafen. Die Reise geht weiter und auch die Sonne lässt sich im Verlaufe des Tages nochmal blicken. Wenn doch morgen nur der Wind aus der richtigen Richtung kommen würde, dann könnten wir Kilometer "fressen" bis DYE II. Am Abend in Camp 6 gibts Rührei mit Speck, viel Butter und alles was Kalorien liefert.


Tag 5 _ Zum "Dog Camp" im Niemandsland

1. Juni 2006 – 2.00 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 22 km (Luftline)
Position Google Earth N67°07.320 W048°52.376 | Position Google Map



Wieder zur schon fast gewohnten morgendlichen Stunde (3.00 Uhr) aufstehen. Uns steht wieder ein 9 - 10 Std Tagesmarsch (mit ca. 1 Std Pause unterwegs) bevor. Das Wetter ist gut, aber der Wind eisig kalt. Das morgens "Aus-dem-Schlafsack-herauskriechen" in die kalte Welt ist ein schwerer Akt. Unser Ziel ist heute ein virtueller GPS Punkt auf dem Eis, der da heisst "Dog Camp". Diese Stelle steuern die Hundeschlitten Expeditionen aus dem Osten kommend an, da die Hunde in sicherer Distanz zur Westküste auf dem Inlandeis verbleiben müssen. Man befürchtet die Übertragung von Krankheiten. Aber an diesem Punkt ist weit und breit nichts, ausser Eis. Auf den 10km Wegstrecke von unserem Camp 4 habe ich mir dort eine nettes Café vorgestellt, wo man frisch aufgebacken Croissants kaufen kann. Natürlich ist das nur eine Wunschvorstellung, unser Müsli "Schweizer Art" ist auch ganz okay. Am Dog Camp machen wir unsere Rast, ziehen die dicken Daunenjacken über und verputzen Speck, Cabanossi, Majonaise, Käse, Brot. Es ist trotz der guten Aussenbekleidung einfach ungemütlich kalt. Deshalb verweilen wir auch nicht zu lange und machen uns auf den Weg in eine neue Richtung mit neuer Kompass Marschzahl. Wenigstens etwas was sich ändert, hier in der Eiswüste. Unser neues Ziel heisst "DYE II" (eine verlassene amerikanische Radarstation aus Zeiten des Kalten Krieges) und ist ca. 144km von Dog Camp entfernt. In ca. 6 Tagesmärschen sollten wir diese Station erreicht haben, vielleicht aber auch schon früher, wenn der Wind aus Westen kommt und wir unsere Kite-Segel benutzen können.

Unser Camp 5 ist routiniert aufgebaut und binnen einer halben Stunde surrt auch wieder der Kocher, um Wasser für die Mahlzeiten und Tee zu schmelzen. Im Zelt ist es angehm warm, wir können die verschwitzte nasse Kleidung wechseln. Auch sind die Farben im Zelt, rot, gelb etc wohltuend und eine Abwechslung fürs Auge. Heute Abend gibts Suppe, Jägertopf mit Reisfleisch mit Nudeln, Mousse au Chocolat zum Abschluß. Neidisch? Kein Grund dazu, die Mahlzeiten sind gefriergetrocknete Fertiggerichte mit Einheitsgeschmack.


Tag 4 _ Vom Russels Gletscher in Richtung Plateau

31. Mai 2006 – 13.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 15 km (Luftline)
Position Google Earth N67°10.219 W049°20.070 | Position Google Map



Nachts verschlechterte sich das Wetter, starker Wind, Bewökung und Graupel. Mit Sorge lauschen wir auf die Entwicklung. Einen Tag im Zelt zu verbringen, wäre am Anfang der Tour besonders ungünstig. Gegen 3.00 Uhr dann beruhigen sich die Verhältnisse. Wir starten um 6.00 Uhr. Das Gelände scheint heute etwas einfacher zu sein, allerdings täuscht der erste Eindruck. Wieder müssen Eisbäche überquert werden. Manche davon sind mit einer trügerischen dünnen Eisschicht und Triebschnee überzogen. Das schaut einigermassen sicher aus, doch brechen wir an manchen Stellen in das Wasser ein. Teilweise sogar bis Hüfthöhe (Paul hat es zufällig mit der Kamera aufgenommen). Wir probieren heute zum ersten mal unsere Ski und es geht gleich besser voran. Die Sonne zeigt sich wieder und wir erreichen die Firnzone des Gletschers. Der schwierige Anstieg durch den Bruch und die Eisbäche liegen hinter uns. Von nun an gibts nur noch weisse Fläche um uns herum. Das Camp 4 bauen wir gegen 15.00 Uhr auf. Wir kochen Reis mit Rindfleisch + Rührei mit Käse und Wurst. Das Abendessen, auf das man sich den ganzen Tag freut, wird mit einem Glas schottischen Single Malt Whisky veredelt.


Tag 3 _ Sastrugis soweit das Auge blickt

30. Mai 2006 – 15.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 10 km (Luftline)
Position Google Earth N67°08.307 W049°39.601 | Position Google Map



Wir gewöhnen uns an einen neuen Tagesrhytmus: Früh aufstehen um die wertvollen Morgenstunden, in denen die Schneeverhältnisse noch optimal sind, nutzen. Gegen Mittag wird der Schnee sulzig und erschwert das Vorankommen. Wir stehen also um 3.00 Uhr Früh auf, starten gepackt um 05.00 Uhr. Die ersten Kilometer gehts gut voran, dann leider wieder Verwerfungen im Gletscherbruch, wo viele Eisrücken erklettert werden müssen. Die Eisbäche sind teils gefroren, teils offen. Wir brechen hin und wieder ein und stehen bis zu den Knie im Eiswasser. Nach den Eisrücken folgen die Sastrugi Felder (Bodenwellen aus Eis) teils 1 - 1,5 Meter hoch, auch diese müssen überquert oder umgangen werden. Es ist sehr harte Arbeit durch dieses Gelände zu navigieren, denn an Hindernissen müssen wir lange und zeitraubende Umwege machen. Das Wetter ist heute bewölkt, in der Regel geht immer ein krätiger Wind vom Inlandeis. Am Nachmittag lässt sich die Sonne nochmal blicken. Ein sehr kräftezehrender Tag, aber wir kommen unserem Ziel immer etwas näher: weg vom Gletscherbruch, hinauf auf das Inlandeis. Ein besonderer Moment: die Berge der Westküste verschwinden hinter dem Horizont, ab jetzt werden wir hunderte Kilometer nur Eis sehen. Das Camp 3 bauen wir gegen 15.00 Uhr auf. Wir kochen (Kartoffeleintopf), dazu ein Glas Rotwein (im ernst....gibts in Pulverform).


Tag 2 _ Durch den Gletscherbruch

29. Mai 2006 – 17.00 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Gesamtkilometer: ca. 8 km (Luftline)
Position Google Earth N67°07.419 W049°52.307 | Position Google Map



Wir stehen um 4.30 Uhr auf, der Wind rüttelt an der Zeltplane, die Nacht viel zu kurz! Paul bringt den Kocher in Gang, der surrt vor sich hin und binnen weniger Minuten haben wir heisses Wasser für Kaffee und und das fertig abgepackte Müsli. Die Milch ist in Pulverform schon dabei. Der Abbau unseres Camps will noch geübt sein, wir brauchen recht lange bis wir abreisefertig organisiert sind. Nach ein paar Minuten Marsch durch den Gletscherbruch, dann die erste Hürde: ein System von tief im Eis eingeschnittenen Rinnen, Gletscherspalten ähnlich, liegt da vor uns. Wir erkunden die Gegend nach Ausweichmöglichkeiten. Resultat: Hier müssen wir mit den schweren Schlitten durch! Wir bringen die Pulkas zu zweit durch diesen Parcours, teils müssen sie sogar mit Seil abgelassen werden. Dann ziehen wir das Gepäck noch über halb zugefrorene Gletscherseen und schauen, dass wir nicht selber irgendwo einbrechen. Tückisches Gelände und viel Rackerei mit wenig gutgemachten Kilometern. Beim Traversieren kippt mir die Pulka in einen solchen See halb hinein, nur zu zweit bekommen wir das Ding wieder auf die Kufen. Die ganze Ausrüstung muss raus, denn es ist Wasser in die Pulka gelaufen. Das Dumme: das Zuggestänge hat es leicht verbogen und könnte später sogar brechen. Das wäre extrem ungünstig, möchte gar nicht daran denken. Gegen 12.00 Uhr Mittagspause auf dem Schlitten. Es gibt den guten Tiroler Käse, Wurst und Schwarzbrot. Luxus! Wir ziehen weiter durch unebenes Gelände bis wir ca. 15.00 Camp 2 aufbauen und unser Abendessen zubereiten.


Tag 1 _ Erste Tagesetappe

28. Mai 2006 – 16.30 Uhr MEZ (Grönland -4 Std)
Position Google Earth N67°08.913 W050°00.154 | Position Google Map



Heute gehts früh aus den Federn. Recht bescheidendes Frühstück im Camp von Kangerlussuaq Tourism, aber schliesslich müssen wir uns ja auf Tage der Entbehrung gewöhnen. Das Wetter ist sensationel schön, ca. 10°C viel Sonne. Vor dem Camp breiten wir uns aus, die ganze Ausrüstung legen wir vor dem Packen zurecht. Das zieht einige Zaungäste an, viele Fragen zur Ausrüstung und unserem Vorhaben. Wir haben den Eindruck, so recht beneidet uns keiner für diese Tour. Die Polizei kommt zur Abnahme der Ausrüstung. Sie überprüfen unser Permit vom Danish Polar Center, die Sicherheitsausrüstung (Personal Locator Beacon, Sat Phone, GPS) etc. Die Herren sind zufrieden mit uns, aber auch sie scheinen ein wenig über diese "verrückten" Mitteleuropäer zu schmunzeln. Ein letztes Mahl im Flughafen Restaurant, es gibt "Kangerlussuaq Super Burger", dann noch letzte Besorgungen im Supermarkt. Wir sind nun in Aufbruchstimmung und Jens (von Kangerlussuaq Tourism) fährt uns mit seinem Superjeep ca. 1 Std. die Schotterpiste entlang zur Eiskante. Dort noch ein "Shake hands" und ein Foto, dann sind Paul und ich auf uns alleine gestellt. Ein großartiges Gefühl nun endlich diesen Gletscher betreten zu dürfen. Wir starten mit Steigeisen, der Randbereich des Gletschers ist sehr zerfurcht und aper. Einige Schmelzwasserrinnsäle sind zu queren.

Das Gelände ist sehr anspruchsvoll für den Anfang, weil viel Steigungen, Rinnen, Mulden und Buckel zu bewältigen sind. Und diese Schlitten sind einfach schwer, ca. 140 kg pro Person. Unsere Lebensmittel Tagesrationen sind in zwei große Säcke verpackt, genug für 25 Tage "gutes Essen", ca. 5 Tage "Notrationen". Dazu kommt die ganze Kamerausrüstung und Technik. Die Pulkas müssen wir händisch hinter uns herziehen, das ist harte Arbeit. Paul und ich entschliessen uns jeweils einen Schlitten durch die Mulden und Buckel zu ziehen, dann zurückzugehen, und das gleiche nochmal mit dem zweiten Schlitten. Schweisstreibende Angelegenheit. In 3 Std. machen wir nur 2 km Distanz. Um 20.00 Uhr bauen wir unser Camp 1 auf dem Gletschereis auf, Paul kocht, ich schreibe. Wir wechseln uns die nächsten Tage ab. Es ist windstill, taghell und ca. +2°C.

Weiterreise nach Grönland

22:00 MEZ
Position Google Earth N67°00.601 W050°44.043 | Position Google Map



Taghelle Nacht im Land der Mitternachtssonne. Um 8.00 Uhr Frühstück, dann kurz vor neun Fahrt mit mit unserem befreundeten Isländer, Hlinur, zum Flughafen. Abgabe des Übergepäcks in der Cargo-Abteilung von Air Iceland, alles problemlos eingecheckt. Eine Sorge bereitet uns allerdings noch das Übermitteln von Emails via Iridium Satelliten Telefon. Morgens haben wir den Versand nochmal am Hotel getestet, leider konnte die Verbindung zum Server nicht aufgebaut werden. Das stellt wirklich ein Problem dar, denn die Übertragung von Nachrichten ist uns sehr wichtig. Nach einigen Telefonaten, dann doch noch die Erfolgsmeldung: "Es ist hier!" Das Email mit dem ersten Tagebucheintrag ist bei unserem Webhoster in Berlin eingetroffen. Das ging nochmal gut. Im Air Iceland Terminal dann ein ganz nettes Wiedersehen mit dem Isländer Johann und seiner Familie. Sie wohnen in Kulusuk und sind nach der Winterpause wieder auf dem Weg dorthin. Johann und seine Frau betreiben einen Souvenirshop im Dorf und er betreut die Besucher aus Island. Air Iceland bietet im Sommer Tagesauflüge nach Grönland an. Johann berichtet, das erst vergangene Woche ein Polarbär im Dorf sein Unwesen trieb und sogar bis zum Kindergarten vordrang. Das sorgte natürlich für Angst und Schrecken, doch wurde dieser Bär sofort erlegt. Erst vor einigen Monaten stattete ein Bär einer Expedition im Osten von Grönland einen Besuch ab. Die englischen Bergsteiger waren auf diese Begegnung nicht vorbereitet, keine Waffe dabei. Nur mit Signalpatronen konnte der Säuger verschreckt werden, doch erst nachdem er das Basislager so richtig "aufräumte". Unüblich, aber es kommt doch wohl vor, dass die hungrigen Bären nach monatelanger Winterpause ohne Futter auf viele Kilometer hinweg Lebensmittel aufspüren und die Fährte aufnehmen, egal wohin. Sogar bis auf 2000m ü.N kletterte das Tier, wo sich das Basislager der Engländer befand. Wir sind mit einem Großkaliber und Munition ausgestattet um im äußersten Notfall reagieren zu können.

Um 12.15 Uhr weiter mit dem Air Iceland Flieger (Fokker 50) nach Kulusuk. Doch sollte es nochmal spannend werden. Bodennebel verhinderte eine Landung und der Pilot entschloss sich nach fast einer Stunde Warteschleife nach Reykjavik zurückzukehren. Dann plötzlich die Meldung, dass doch ein Landeversuch durchgeführt werden soll. Erfolgreich gelandet stellen wir fest, dass unser Anschlussflieger nach Kangerlussuaq sich auch verspätete. Um 15.15 Uhr fliegen wir schliesslich über das Inlandeis. Das Ausmaß der Eisfläche unter uns ist einfach gigantisch, diese 600 km sollen wir zu Fuß überqueren? Na klar, dafür sind wir hergekommen! Wir beziehen unser Quartier, dann noch einige Anrufe am Abend, alle Behörden müssen informiert sein. Die Ausrüstung wird für den morgigen Start hergerichtet. Kaum vorzustellen, es geht los!


Abreise nach Island

27. Mai 2006
Position Google Earth Reykjavik | Position Google Map



Die Ausrüstung haben wir in der Nacht davor noch zusammen gepackt, alles
sicher in den Packsäcken verstaut. Das Gesamtgewicht übersteigt unsere
Erwartungen: über 250kg für uns beide zusammen. Ursprünglich waren 100kg
p.P. vorgesehen. In der kurzen Nachtruhe von 2Std schleichen Gedanken durch
den Kopf: "hat man an alles gedacht, keine wichtigen Details übersehen oder
gar vergessen? Das Verbindungskabel zum Laptop dabei?" Ohne das könnten wir
keine Bilder und Texte verschicken. Es muss schon alles passen. Um 3.00 Uhr
klopfts an der Schlafzimmertür: "Frühstück ist fertig". Schnell unter die
Dusche zum Wachwerden, einen kleinen Happen auf die schnelle, unser Fahrer
Robert ist schon da. Zusammen verstauen wir die Pulkas und Packsäcke im
Kleinbus. Ich pack noch mein Handgepäck und denk mir "so schnell gehts auf
einmal". Es ist 4.05 Uhr - auf gehts! Mit Abfahrt Richtung Flughafen
Frankfurt bauen sich langsam Stress und Anspannung der Vortage und Wochen
ab. Neben unserer hauptberuflichen Tätigkeit bei der AlpinSchule Innsbruck
hatten wir uns noch eine vollzeitige Nebenbeschäftigung geschaffen:
Expeditionsvorbereitung bedeutet Hingabe im Detail, manchmal recht
kräftezehrend. Aber immer mit Blick nach vorn!

Auf der A3 auf einmal Stau, Stillstand, nichts geht weiter. Ein schlimmer
Unfall mit Todesfolge, so wurde es im Radio berichtet. Später im Flieger
nach Keflavik / Island dann ein paar Stunden Erholung. Das Wetter in Island:
Regen zur Begrüßung. Wir werden abgeholt und verbringen die Nacht in
Reykjavik. In Island sind es 2 Stunden früher.



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